TAGUNG des Südtiroler Landesarchivs

– Die Wolkensteiner –
Facetten des Tiroler Adels in Spätmittelalter und Neuzeit

Brixen, Cusanus-Akademie, 12.–15. September 2007

Veranstalter: Südtiroler Landesarchiv
Konzeption: Dr. Kurt Andermann (Stutensee/Blankenloch), Dr. Gustav Pfeifer (Bozen)

Ausgehend von einer im Vergleich zu anderen Regionen noch wenig befriedigenden Forschungslage soll die Tagung anhand einer der prominentesten ritteradligen Familien im territorialen Kräftedreieck Tirol-Brixen-Trient gleichsam eine Bresche schlagen und sowohl aus vergleichender Perspektive als auch in diachronem Zugriff exemplarisch Grundlagen erarbeiten für eine vertiefte Erforschung der spätmittelalterlichen und neuzeitlichen Führungselite Tirols.

Der Ritter- bzw. Niederadel umfasst die breite, binnendifferenzierte Schicht, die aus der unfreien hochmittelalterlichen Dienstmannschaft der Kirchen und des hohen Adels hervorging. Zumal in Tirol, wo der freie Adel mit Ausnahme der Vögte von Matsch früh ausstarb oder unter Graf Meinhard II. (1258–1295) verdrängt wurde, rückte der landsässige Ritteradel nach 1300 auch in ehemals dynastische Positionen ein und konstituierte sich schrittweise, vor allem ab dem frühen 15. Jahrhundert als politisches Gegengewicht und Partner des Landesherren.

Die noch heute blühenden Wolkensteiner, zu denen auch der bekannte Dichter und Politiker Oswald von Wolkenstein (1376/77–1445) gehört, sind ihrem Ursprung nach ein Zweig der Herren von Vilanders. 1405 teilte sich die Familie in die Stämme Wolkenstein-Trostburg und Wolkenstein-Rodenegg; die Trostburger Linie erlangte als eines der ersten Tiroler Geschlechter aus dem Uradel bereits unter Friedrich III. die Erhebung in den Freiherrenstand, 1630 die Erhebung in den Reichsgrafenstand – in ihrem schwäbischen Zweig sogar schon 1628 –, die Rodenegger Linie wurde 1564 freiherrlich und 1628 in den Reichsgrafenstand erhoben.

Der Schwerpunkt der Tagung liegt in der Frühen Neuzeit. Anhand der Rolle der Herren von Vilanders im Tiroler Herrschaftsgefüge des 14. Jahrhunderts, mit dem Versuch einer sozialhistorischen Einordnung Oswalds von Wolkenstein und der Rolle des Adels am maximilianeischen Hof soll aber auch der spätmittelalterliche »Vorlauf« in den Blick genommen werden. Für das 16., 17. und 18. Jahrhundert werden Fragen zu den Heiratsstrategien und Familienformen, zu den Beziehungen zur Adelskirche, zum Engagement des vormodernen Tiroler Landadels im Bergbau, zu Formen der memoria im Lichte der Grabdenkmäler, zur adligen Lesekultur und Landesgeschichtsschreibung sowie zur Rolle der Wolkensteiner als Gerichtsherren im Hochstift Trient und als Tiroler Landeshauptleute behandelt. Ein weiterer Beitrag wird sich mit den Auswirkungen der politischen und sozialen Veränderungsprozesse des 19. und frühen 20. Jahrhunderts auf den regionalen Adel befassen.

Eine Veröffentlichung der Tagungsakten im Rahmen der Reihe »Veröffentlichungen des Südtiroler Landesarchivs« ist geplant.

Zum Prospekt und Tagungsprogramm (PDF, 343 KB)

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