Oswald von Wolkenstein: Zur Startseite

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Oswalds Werk ist mit insgesamt rund 130 Liedern und zwei Reimpaarreden gut überliefert. Seine Lieder zeichnen sich sowohl in gattungsmäßiger wie in thematischer Hinsicht durch eine außerordentliche Bandbreite aus. Er schrieb Reiselieder, Trink- und Tanzlieder, Tagelieder, traditionell höfische wie auch betont sinnlich-erotische Liebeslieder, politische und religiöse Lieder.

Oswalds Werk ist auch musikalisch bedeutend: Er hat die Mehrstimmigkeit, bis hin zum hochdifferenzierten vierstimmigen Satz, im deutschsprachigen Raum im Wesentlichen eingeführt, die hier vorher nur in Ansätzen entwickelt war (4 Lieder beim Mönch von Salzburg):

Ein wichtiges Kapitel sind Oswalds mehrstimmige Kompositionen, oder, um mich vorsichtiger auszudrücken: die mehrstimmigen Kompositionen, die in seinen Liederhandschriften aufgezeichnet sind. [...] Das Komponieren mit mehreren Stimmen war damals im deutschen Bereich ganz neu. Zwar hatte, eine Generation vor Oswald, der sogenannte Mönch von Salzburg einige zweistimmige Liedsätze geschrieben, aber die waren recht simpel. Die erste wirklich intensive, auch extensive Beschäftigung mit polyphoner Satzkunst finden wir im deutschsprachigen Bereich bei Oswald von Wolkenstein.« (Dieter Kühn in: »Ich Wolkenstein«)

Und seine »einstimmigen Lieder sind das bedeutendste überlieferte Œevre weltlicher mittelalterlicher deutscher Musik« (Brockhaus).

Oswald war kein Berufsmusiker: Er war »ein ›Dilettant‹ im ursprünglichen Sinne, kein professioneller Sänger«(Schwob).

Charakteristisch für Oswalds Dichtung sind die subjektiven Züge, weshalb Schmied ihn einen »Erlebnisdichter« nennt, berichtet Oswald doch in seinen Liedern vor allem über selbst Erlebtes: Reisen, Kampf, Gefangenschaft, Frauen, Wein ... Dabei wird er manchmal nahezu komödiantisch, scheint ab und zu sogar ein gewisser Hang zur Burleske auf. Und mit der Sprache (die damals noch nicht so festgelegt, so gebunden war wie heute) ging Oswald sehr kreativ um, erfand neue Wörter, nutzte den Wortklang als Mittel des dramatischen und emotionalen Ausdrucks und war auch in dieser Hinsicht ein »großer Dichter«.

»Mit dem einen Auge schaute er als Ritter neugierig auf die Welt, mit dem anderen sah er nach innen. Oswald von Wolkenstein war ein Grübler, der nach Worten rang, um seine Gedanken und Gefühle kunstvoll auszudrücken. [...] Und so farbig wie sein Empfinden sind die Texte: komisch, kraftvoll und erotisch, aber auch sehnsüchtig und manchmal abgrundtief traurig. [...] Mit Leichtigkeit schlagen Oswald von Wolkensteins Lieder eine Brücke in die Gegenwart, weil er besonders die Momente zu fassen vermochte, in denen der Mensch allein ist.«
Maren Gottschalk im WDR-ZEITZEICHEN vom 2.8.2020 zu Oswalds 575. TodestagLink zum MP3

»Als Literaturwissenschaftlerin sehe ich natürlich zuerst das Bild eines höchst sensiblen Dichters vor mir, und zwar weil er es verstand, das Innenleben, die Gefühlswelten des Menschen in den innersten Regungen auszuleuchten und mittels subtilster Beobachtungen anschaulich darzustellen. Die Fokussierung auf seine persönlichen Erfahrungen, die stellte er in den Mittelpunkt sehr vieler Lieder, und das ist ein Alleinstellungsmerkmal in der Lyrik um 1400 bis 1440. Von der Sprachkunst übertrifft er alle anderen Lyriker, weil er eine Sprache sinnlicher Wahrnehmung schafft, deshalb wirken sie bis heute lebendig.«
Prof. Dr. Sieglinde Hartmann, 2007 – 2018 Vorsitzende der Oswald von Wolkenstein-Gesellschaft
, im WDR-ZEITZEICHEN vom 2.8.2020 zu Oswalds 575. TodestagLink zum MP3

Einzelne Lieder
Lieder aus meinem Repertoire mit meiner Übertragung
Die Musik zu Oswalds Zeit
wie Dieter Kühn sie beschreibt 
Text- und Notenausgaben
der Lieder
von Oswald von Wolkenstein
Einspielungen
Interessante CDs und LPs mit Musik
von Oswald von Wolkenstein
Kleines Instrumentenlexikon
Zitate zu Oswald und seiner Musik

Fast alle Originaltexte von Oswald von Wolkenstein finden sich unter http://www.wolkenstein-gesellschaft.com/texte_oswald.php.
Von den zahlreichen Übertragungen empfehle ich:
Klaus J. Schönmetzler: Oswald von Wolkenstein. Die Lieder mittelhochdeutsch + deutsch, in Text und Melodien neu übertragen und kommentiert. Essen 1990
Wernfried Hofmeister: Oswald von Wolkenstein. Das poetische Werk. Gesamtübersetzung in neuhochdeutsche Prosa mit Übersetzungskommentaren und Textbibliographien. Berlin/New York 2011
Hans Moser: Wie eine Feder leicht. Oswald von Wolkenstein. Lieder und Nachdichtungen. Innsbruck 2012
Marc Lewon (Hrsg.): Oswald von Wolkenstein. Songs of Myself. Eine Anthologie von Oswald-Liedern in einer neuen Übertragung und mit ausführlichem Kommentar, mit einem Vorwort von Andreas Scholl. Basel 2016

Melodien finden sich bei der Retrodigitalisierung der MELODIE-Edition aus
Schatz, Josef (mit Oswald Koller, Musikbearbeitung)

Oswald von Wolkenstein. Geistliche und weltliche Lieder, ein- und mehrstimmig
Denkmäler der Tonkunst in Österreich, Bd. 9, Wien 1902

Zu meinem Repertoire gehören u. a. folgende Lieder:
Durch Abenteuer
(Reiselied, 1427) · Durch Barbarei, Arabia (Reiselied, 1426) · Ein gut geborener Edelmann (Minneparodie, um 1408) · Es fügt sich (»Lebensballade«, 1416) · Herr Wirt uns dürstet (erotisches Trinklied, vor 1408) · Ich spür’ ein Tier (»Weltabsage«, 1422) · Mein Herz, das ist versehrt (Minnelied/Liebesklage, 1410/11) · O Pfalzgraf Ludewig am Rhein (Loblied auf den Fürsten und die Stadt Heidelberg, 1428) · Die Liebe fügt sich (Liebeslied, 1415) · Nun lass das Sorgen (Tagelied, vor 1408) · Wach auf, mein Hort (Tagelied, vor 1408) · Weiß, rot und braun (Liebeslied, vor 1408) · Wohlauf, wir wollen schlafen (Sauflied, 1428)
Videos und Bilder vom Auftritt bei den Lißberger Leiertagen am 26. Mai 2017 –
Videos und Bilder vom Auftritt beim Harfensommer am 31. Juli 2017 –

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