Oswald von Wolkenstein: Zur Startseite

Nun lass das Sorgen

Ein Tagelied von Oswald von Wolkenstein, entstanden vor 1408, ein typisches Zwiegespräch von Mann und Frau. als zwei- und als dreistimmiger Kanon darzubieten (KL 121).

Das Original aus Handschrift AOriginaltext

Meine Übertragung:

I
»Nun lass das Sorgen, mein verborgen lieber Schatz!
Schließ deine Augen vor dem Licht,
ängstlich vor des Tags Beginn!
Trotze ihm!
Herzliebster, er kommt noch nicht!
Das Trauern und Warten lass,
erwarte Freude, halte Maß!
Tust du das, so bist du sicher mein.«

»Ach liebes Mädchen, das soll sein!

II
Frau, lass mich strafen, denn verschlafen hab’ ich die Stund’!
Schon ist der Morgenstern verschwunden.
Ei, du rosenfarb’ner Mund,
mach mich gesund,
heile alle meine Wunden!
Neig dein Haupt bis auf mein Herz,
umarme mich ohn’ Leid und Schmerz,
treib den Scherz, der uns, Frau, macht froh!«

»Mein liebster Mann, voll Glück sei’s so.

III
Der Glanz hat sich bereits von Grau nach Blau gewandt.
Ich hör’ der Vögel Stimmen viel.
Tag, wer hat nach dir gesandt?
Dein Gewand
uns’re Schmach nicht decken will.
Deine Helle ist nicht fein!«

»Genieß den Tag, Einzige mein!
Nicht mehr wein! Bin bei dir bald zurück.
Muss fort, Herrin, dir wünsch’ ich Glück.«

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I
»
Nu rue mit sorgen, mein verborgenlicher schacz!
sleius dein augen schricklich zu
gen des lichten tages hacz,
im ze tracz!
herzen lieb, es ist noch fru.
all dein trauren, lauren las,
freuden hoff und halt die mass!
tustu das,
so bistu wol mein.«
»ach liebe diren, das sol sei sein.«

II
»Frau, thu mich straffen! ich verslaffen hab die stund.
lucifer verswunden ist.
ei du roselachter mund,
mach gesund,
ber dort, hie, wo mir enprisst!
dein haubt naig, saig auff mein herz,
ermlein schrenck sunder smerz,
treib den scherz,
der uns, frau, mach gail!«
»zart lieber man, das sei mit hail.«

III
»Der glanz durch grebe von der plebe ist entrant;
ich hor voglin doene vil.
tag, wer hat nach dir gesant?
dein gewant
unser scham nicht teken wil.
zwar dein greis ich preis doch klain.«
»guten morgen, liebstes ain.
nicht ser wain,
meiner kunft, der wort schir.
mit urlaub, frau, hail wunsch ich dir.«

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Original in der Handschrift A, angelegt 1425
NU RUE MIT SORGEN in der Handschrift A (Signatur Cod. Vind. 2777, angelegt 1425).

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