Oswald von Wolkenstein: Zur Startseite

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Einige von Oswalds Liedern habe ich selbst im Programm und singe sie, sei es im Original oder in eigener Übertragung.

Da die Menschen zu Oswalds Zeit diese Lieder in der Regel verstanden (wenn er nicht wieder mal seine Fremdsprachenkenntnisse aufblitzen ließ), halte ich es für sinnvoll, dass auch mein Publikum heute die Texte versteht. Ich biete keine akademische Aufführung, sondern möchte, dass die Zuhörenden und Zuschauenden sich wie in der Zeit fühlen, möchte ihnen die Atmosphäre und das Lebensgefühl rüberbringen. Deshalb habe ich die meisten mittelalterlichen Lieder, die ich singe, in modernes Deutsch übertragen. Dabei habe ich mich bemüht, dem Sinn so nahe wie möglich zu kommen und trotzdem die Reimstruktur wie im Original zu erhalten. Die Reaktionen des Publikums zeigen mir, dass dies gerne angenommen wird. Und ich fühle mich darin bestätigt durch das, was der Minnesang-Spezialist Dr. Lothar Jahn in einer Buchkritik schreibt:

»... Nachdichtung mittelalterlicher Texte, d. h. einer Übertragung des Inhalts ins moderne Deutsch bei Beibehaltung von Versmaß, Reim und Strophenbau. Dies ist eine ganz schwierige Angelegenheit: Der ›Übersetzer‹ muss selbst ein Dichter sein, sonst wirkt das ganze ungewollt komisch. Selbst auf der Höhe aller stilistischen Mittel und sprachlichen Feinheiten entsteht eine Interpretation des eigentlichen Werkes, kein Abbild. Trotzdem – und das ist das Paradoxe – ist der Vortrag in einer gelungenen Nachdichtung ja ›authentischer‹ als ein Vortrag in Originalsprache, die uns oft mehr durch ihren fremdartigen ›Sound‹ bezaubert als durch den Inhalt: Schließlich haben die damaligen Zuhörer auch ihre Alltagssprache gehört, so konnte die Aussage direkt in Herz und Hirn gehen und Text-Musik-Bezüge sich spontan entfalten. Dies ist besonders bei Oswald ein Plus, denn der Mann hat nicht nur etwas zu singen und zu sagen, sondern bedient sich dabei auch raffinierter stilistisch-sprachlicher Mittel, die fast schon modern zu nennen sind – bis hin zu eigenen Wortschöpfungen, der Mischung verschiedener Sprachen und Dialekte und Überlagerungen mehrerer Texte, wobei wieder etwas Neues entsteht. Ganz zu schweigen vom direkten Zugriff auf Alltagsmissgeschicke und Erotik.«

(Buchkritik zu »Wie eine Feder leicht. Oswald von Wolkenstein – Lieder und Nachdichtungen« von Hans Moser, Innsbruck 2012)

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Ein gut geborener Edelmann
Das Original und meine Übertragung
Letztere zu hören mit CONVENTUS TANDARADEY im 2014 erschienenen Film
»Margarete von Schwangau – Leben, Liebe und Leid einer außergewöhnlichen Burgfrau«
von Elisabeth Wintergerst

Tonaufnahme in Netz-Qualität (MP3, 9:55 Min., 4 MB)

Herr Wirt, uns dürstet
Das Original (in Auszügen) mit Noten
und meine Übertragung

Mein Herz, das ist versehrt
Das Original mit Noten und meine Übertragung

Wach auf, mein Hort
Das Original und meine Übertragung, beides mit Noten

Nu huss
Der Originaltext und ein Link auf eine sehr gelungene Aufführung

Fast alle Originaltexte von Oswald von Wolkenstein finden sich unter http://www.wolkenstein-gesellschaft.com/texte_oswald.php.
Von den zahlreichen Übertragungen empfehle ich:
Klaus J. Schönmetzler: Oswald von Wolkenstein. Die Lieder mittelhochdeutsch + deutsch, in Text und Melodien neu übertragen und kommentiert. Essen 1990
Wernfried Hofmeister: Oswald von Wolkenstein. Das poetische Werk. Gesamtübersetzung in neuhochdeutsche Prosa mit Übersetzungskommentaren und Textbibliographien. Berlin/New York 2011
Hans Moser: Wie eine Feder leicht. Oswald von Wolkenstein. Lieder und Nachdichtungen. Innsbruck 2012

Folgende Lieder gehören zu meinem Programm: Es fügt sich (»Lebensballade«, 1416) · Durch Abenteuer (Reiselied, 1427) · O Pfalzgraf Ludewig am Rhein (Loblied auf den Fürsten und die Stadt Heidelberg, 1428) · Ein gut geborener Edelmann (dreistimmig, entstanden um 1408) · Mein Herz, das ist versehrt (Liebesklage, 1410/11) · Weiss, rot und braun (Liebeslied, vor 1408) · Die minne füget niemand (Liebeslied, 1415) · Mit günstlichem Herzen (Liebeslied, 1418) · Nu rue mit sorgen (Tagelied, vor 1408) · Wach auf, mein Hort (Tagelied, vor 1408) · Herr Wirt (Sauflied, dreistimmiger Kanon, vor 1408) · Wohlauf, wir wollen schlafen (Sauflied, 1428) · Ich spür ein Tier (»Weltabsage«, 1422)

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