Die Wolkensteiner –

Text angelehnt an die Einladung des Südtiroler Landesarchiv zur Tagung über die Wolkensteiner vom 12.–15. September 2007 in der Cusanus-Akademie in Brixen

Der Ritter- bzw. Niederadel umfasste die breite, binnendifferenzierte Schicht, die aus der unfreien hochmittelalterlichen Dienstmannschaft der Kirchen und des hohen Adels hervorgegangen war. In Tirol, wo der freie Adel mit Ausnahme der Vögte von Matsch früh ausstarb oder unter Graf Meinhard II. (1258–1295) verdrängt wurde, rückte der landsässige Ritteradel nach 1300 auch in ehemals dynastische Positionen ein und konstituierte sich schrittweise, vor allem ab dem frühen 15. Jahrhundert als politisches Gegengewicht und Partner des Landesherren.

Die noch heute blühenden Wolkensteiner sind ihrem Ursprung nach ein Zweig der Herren von Vilanders. 1405 teilte sich die Familie in die Zweige Wolkenstein-Trostburg und Wolkenstein-Rodenegg.

Die Trostburger Linie erlangte als eines der ersten Tiroler Geschlechter aus dem Uradel bereits unter Friedrich III. die Erhebung in den Freiherrenstand, 1630 die Erhebung in den Reichsgrafenstand, in ihrem schwäbischen Zweig sogar schon 1628.

Die Rodenegger Linie wurde 1564 freiherrlich und 1628 in den Reichsgrafenstand erhoben.

Die Familie Wolkenstein gibt es bis heute; immer wieder tauchen Mitglieder in den letzten Jahrhunderten in wichtigen Funktionen in Tirol auf, ein paar Beispiele:

Von 1562 bis 1676 gehörte der Familie Wolkenstein-Rodenegg das damalige Kupfer- und heutige Besucherbergwerk Prettau im Ahrntal. Landeshauptleute an der Etsch sind von 1739 bis 1774 Paris Kaspar Dominik Graf von Wolkenstein zu Trostburg (1696-1774) und von 1793 bis 1806 Paris Graf von Wolkenstein-Rodenegg (1740-1814); Landeshauptleute von Südtirol von 1860 bis 1861 Leopold Graf von Wolkenstein zu Trostburg (1800-1862) und 1881 für kurze Zeit Artur Graf von Wolkenstein zu Rodenegg.

Auch Musiker gab es noch in der Familie: Ein Graf Wolkenstein-Rodenegg taucht als Komponist in einer Lautensammlung aus dem Jahr 1686 auf (S. 22).

Ein Seitenzweig der Familie findet den Weg in die Nähe von Rastatt:
»[...] Aus der im späten 16. Jahrhundert geschlossenen Ehe Christoph Franz von Wolkensteins mit einer Erbtochter des katholischen Grafen Otto von Eberstein ging eine besondere, in Poltringen bei Tübingen und im Murgtal ansässige Linie der Grafen von Wolkenstein-Trostburg hervor. Im Dreißigjährigen Krieg in kaiserlichen Diensten engagiert, bemühten sich diese Eberstein-Wolkensteiner, ihre Herrschaft in Südwestdeutschland weiterzuentwickeln, jedoch waren sie dabei, vor allem in Konkurrenz mit dem Markgrafen von Baden-Baden, nur mäßig erfolgreich. Bereits 1695 sind sie Mannesstamm wieder ausgestorben und bald darauf ist auch die Erinnerung an das Tiroler Geschlecht und sein knapp hundert Jahre währendes Gastspiel an Murg und Rhein erloschen. 
Als Erben der Ebersteiner waren die Grafen von Wolkenstein in den meisten Orten des Murgtals, von Muggensturm bis hinauf nach Raumünzach, darüber hinaus aber auch in Durmersheim, Ötigheim, Sinzheim und Neusatz (Stadt Bühl) begütert. In den Gemeinden des Murgtals (außer Gernsbach, Scheuern und Staufenberg) haben sie im 17. Jahrhundert entscheidend dazu beigetragen, dass die katholische Konfession die Oberhand gewann.«
Aus: »Der Landkreis Rastatt«, hrsg. von der Landesarchivdirektion Baden-Württemberg in Verbindung mit dem Landkreis Rastatt und dem Landesmedienzentrum Baden-Württemberg, Stuttgart 2002

Im Österreich des 18. und 19. Jahrhunderts findet man immer wieder Mitglieder der Familie oder Ehepartner in der Nähe des Kaiserhauses, in verschiedenen Funktionen. 1889 kauft Kaiser Franz Joseph I. der Familie für (ausgerechnet) 6000 Gulden die Handschrift B ab und überlässt sie der Universitäts-Bibliothek Innsbruck.

Schließlich gibt es immer wieder auch Autoren in der Familie, die sich meistens mit der Geschichte ihres Geschlechtes beschäftigen. Bekannt wurde Marx Sittich von Wolkenstein (1563-1620) mit seiner »Landesbeschreibung von Südtirol«. Er gilt auch als möglicher Zusammensteller der leider verloren gegangenen »Reisenotate« von Oswald, möglicherweise war dies aber auch Engelhard Dietrich von Wolkenstein (1565-1647). Die Familie hat sowieso die Erinnerung an Oswald stets hochgehalten.

1905 veröffentlichte Arthur Graf von Wolkenstein-Rodenegg unter dem Pseudonym Arthur Rodank ein Drama in fünf Akten: »Sabina Jäger. Ein Zeit- und Lebensbild aus dem Anfange des 15. Jahrhunderts«. 1925 folgte ein Aufsatz zur Geburtsstätte von Oswald (1925), ebenso unter seinem eigenen Namen erschienen wie 1930 die Biografie »Oswald von Wolkenstein«.

Auch heute noch äußern sich Mitglieder der Familie, so etwa Leonhard Graf Wolkenstein-Rodenegg mit dem Artikel »Maximilian I. und die Südtiroler Herrschaft Rodenegg. Zur Schenkung dieses Landgerichtes an Veit von Wolkenstein (1491)«

(in: Louis Carlen, Fritz Steinegger (Hrsg.), Festschrift für Nikolaus Grass zum 60. Geburtstag dargebracht von Fachgenossen, Freunden und Schülern. I. Band, Innsbruck 1974).

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